Bombenalarm 23.01.2013

LN-Online 23.01.2013

Bombenalarm: 500 Stockelsdorfer evakuiert


Mitarbeiter der Rettungsdienste und Feuerwehren helfen den Anwohnern, ihre Wohnungen zu verlassen.
Fotos: Wolfgang Maxwitat


Letztlich harmlos: Der Koffer enthält Seglerzubehör.

Stockelsdorf - Ein herrenloser Koffer hat gestern Abend einen Großeinsatz ausgelöst. Erst nach zwei Stunden gab es Entwarnung: Das Gepäckstück war harmlos.

Blaulicht, Martinshörner, Menschen, die in Rollstühlen geschoben oder auf Tragen aus dem Haus gefahren werden, ältere Frauen, die ihre Handtaschen an sich pressen: Rund um den unteren Parkweg in Stockelsdorf läuft gestern ab 18 Uhr eine große Evakuierungsaktion. Polizeibeamte und Feuerwehrleute gehen von Wohnung zu Wohnung. Alle müssen raus.

Der Grund ist ein verdächtiger Koffer vor dem Kindergarten. Besondere Herausforderung: In dem Mehrgenerationenhaus in der Marienburgstraße wohnen viele ältere Leute und Kinder. Die Einsatzkräfte geleiten die Menschen behutsam auf die Straße. Zwei bettlägerige Senioren, die bleiben wollen, werden mit Überredungskünsten der Polizei und der Hilfe von Rettungsdienstlern schließlich doch noch nach draußen gebracht. Der Stadtverkehr Lübeck hat Busse bereit gestellt, die die Anwohner in die Turnhalle der Grundschule Ravensbusch und die ATSV-Halle im Bäckergang bringen.

Ein älterer Herr wartet lieber auf seine Tochter. „Die kommt mich gleich holen“, erklärt er dem Polizisten. Auch eine Dame, die im Wohnhaus gegenüber lebt, will nicht in die Turnhalle. „Ich bleibe hier, in der Nähe meiner Katze“, sagt sie. Bommelmütze und Schal sollen sie vor der Kälte schützen. Andere sitzen im Bus und diskutieren. „Das ist doch ’ne Übung“, ist Gustav Poß überzeugt, „so einen Großeinsatz hatten wir schließlich noch nie“. Schon lange bevor die Feuerwehrleute ihn aus der Wohnung geholt hätten, habe er Blaulicht gesehen und Martinshörner gehört, berichtet der 79-Jährige. Seine Frau hofft derweil, „dass wir zum Abendessen wieder zu Hause sind“.

Am Ende sind alle Wohnungen geräumt. Die Szenerie ist gespenstisch: Keine Menschenseele ist um 19.05 Uhr mehr an der Kreuzung Marienburger Straße/Parkweg in Stockelsdorf, alle Fenster sind dunkel. Nur ganz hinten im Parkweg ist ein Licht zu sehen, huschen Männer über die Straße. Um 19.05 Uhr knistert es im Funkgerät eines Feuerwehrmannes. „Entwarnung“, klingt es aus dem Lautsprecher. Der vermeintliche Bombenkoffer ist völlig harmlos. Er enthält nur ein paar Kabel.

Rückblick: Die 41-jährige Mitarbeiterin der Kindertagesstätte „Zum guten Hirten“ im Parkweg räumt gegen 16 Uhr auf, alle Kinder sind schon nach Hause gegangen, als sie am Zaun der Kita einen Koffer sieht. Schwarz ist er und gehört dort definitiv nicht hin. Er hat einen Metallrand, ein roter Draht hängt heraus. Die Frau ruft die Polizei an. Um kurz nach 17 Uhr geht bei den Stockelsdorfer Feuerwehren der Notruf ein: Bombenalarm. Nach Rücksprache mit dem Kampfmittelräumdienst in Groß Nordsee entscheiden die Einsatzkräfte vor Ort, die Umgebung des Fundortes in einem Radius von 300 Metern zu evakuieren. Knapp zwei Stunden soll es dauern, bis die Sprengstoffexperten in Stockelsdorf sein werden.

Im Schulweg hat die Einsatzleitung im Feuerwehrhaus Mori Quartier bezogen. Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann wartet mit Feuerwehrleuten und Polizisten auf Neuigkeiten, während Helfer der Rettungsdienste die Evakuierten mit Decken und Getränken versorgen. Etwa 500 Menschen seien betroffen, schätzt Rahlf-Behrmann.

Unterdessen meldet sich ein Anwohner bei den Polizisten und berichtet, dass am Vortag genau so ein Koffer wie der am Kindergarten aus seinem Auto gestohlen wurde. In dem Koffer befanden sich diverse Kabel aus dem Bootsbedarf. Am Ende ist dann alles ganz schnell vorbei. Die Menschen können zurück in ihre Wohnungen. Der Kampfmittelräumdienst packt ein. Der Leiter der Polizeihundestaffel Lübeck, Volker Maßmann, lässt seinen Sprengstoffhund „Mailo“ noch einmal um den Koffer schnüffeln. Den klemmt sich wenige Minuten später ein Polizeibeamter unter den Arm: Ab zur Spurensicherung.

Ilka Mertz und Susanne Peyronnet

23.01.2013 Quelle

 

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