Lebensretter 18.01.2013

LN-Online 18.01.2013

Lebensretter: 'Ich habe keinen Moment gezögert'


Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Mit einem Stock und seinem mutigen Einsatz konnte Björn Demuth (20) zwei Stockelsdorfer, die in den Herrenteich eingebrochen waren, retten. Fotos: Lucas Braun


Im Herrengartenpark weisen zahlreiche Schilder auf die Anleinpflicht für Hunde hin. Ein 20-Jähriger hat zwei Menschen aus dem Teich im Herrengartenpark gezogen — für ihn selbstverständlich.

Als Björn Demuth am Mittwoch durch den Herrengarten zur Arbeit radelte, dachte er an nichts weiter als daran, sich etwas zu trinken zu kaufen. Durst habe er gehabt, daran erinnert sich der 20-jährige Stockelsdorfer. Und um sich noch ein leckeres Getränk zu kaufen, habe er sich 20 Minuten eher auf den Weg gemacht als gewöhnlich.

Was für ein Glück für eine 63-Jährige und einen Mann, die beim Versuch, einen Hund zu retten, ins Eis des Herrenteichs eingebrochen waren. Denn nur weil Björn Demuth 20 Minuten früher unterwegs war als sonst, bemerkte er den Unfall und eilte zur Hilfe.

Es war etwa 12.50 Uhr, als der junge Verkäufer mit seinem Rad von der Dorfstraße in den Herrengartenpark einbog. „Ich war direkt auf der anderen Seite des Teichs, als ich gesehen habe, wie der Hund ins Eis eingebrochen ist und die Frau ihm hinterhergerannt ist“, erinnert sich Demuth. Er habe noch hinübergerufen und versucht, davor zu warnen, die Eisfläche zu betreten — vergebens. Kurz nach ihrem Hund brach auch die 63-Jährige Stockelsdorferin durch die dünne Eisdecke in den Teich (die LN berichteten). „Ich habe sofort gewendet und bin so schnell wie möglich zur Unglückstelle gefahren“, berichtet Demuth am Tag nach dem Vorfall. Als er dort ankam, sei bereits eine weitere Person in das Eis eingebrochen — „der wollte wohl der Frau helfen“, vermutet Demuth, der die Schreie der Verunglückten immer noch im Ohr hat.

Der 20-Jährige, seit vier Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Mori, fackelte nicht lange. Er suchte sich einen dicken Stock und streckte ihn den fast bis zu den Schultern im Teich steckenden Menschen entgegen. „So konnte ich die beiden etwas näher ans Ufer ziehen“, sagt Demuth. Um sie aber ganz aus dem Teich heben zu können, musste er selbst bis zu den Knien in das eiskalte Wasser waten. „Das war zwar saukalt, aber ich habe keinen Moment gezögert“, so Demuth. Ihm gelang es, beide Verunglückten ans Ufer zu ziehen. Anschließend informierte der Retter den Krankenwagen und besorgte eine Decke, um die beiden vorläufig zu wärmen. „Der Hund trieb reglos unterm Eis, da konnte ich leider nichts mehr machen“, sagt der mutige Ersthelfer. Erst die Feuerwehr Mori konnte die Leiche des erst dreijährigen Terriers mit dem Rettungsboot bergen.

Am Tag nach seinem Rettungseinsatz klingelt Björn Demuths Telefon andauernd. Viele Freunde, Bekannte und Kameraden melden sich. „Einige sagen sogar, dass ich ein echter Held bin“, berichtet er. So wirklich heldenhaft fühlt sich der zurückhaltende 20-Jährige aber nicht wirklich. „Das ist doch normal, dass man hilft, wenn man so was sieht“, sagt er. „Das hätte jeder andere auch gemacht.“

Auch die 63-jährige Hundehalterin hat bereits Kontakt mit ihrem Retter aufgenommen, um sich zu bedanken. Den Mann, den er ebenfalls aus dem Teich gezogen hat, hat Demuth seit dem Unfall nicht wieder gesehen. „Der ist verschwunden, als ich die Decken holen war.“

Ortswehrführer Ralf Paasch, der mit seinen Kameraden bei der Bergung des Tieres vor Ort war, lobt den Einsatz seines jungen Schützlings. „Der Björn ist ein guter, engagierter Junge“, sagt Paasch. „Gut, dass er so schnell gehandelt hat.“ Auch Ordnungsamtsleiter Michael Henk ist von dem mutigen Einsatz des jungen Stockelsdorfers beeindruckt. Er ermahnt allerdings alle Hundehalter: „Im Bereich des Herrengartens besteht Leinenpflicht für Hunde.“ Hätte sich die Frau daran gehalten, hätte der Unfall womöglich verhindert werden können. „Aber wichtig ist ja nur, dass es denn eingebrochenen Personen gut geht“, so Henk.

Bei Björn Demuth kehrt nach der Aufregung nun wieder der Alltag ein. Seinen Pieper hat der Feuerwehrmann jedoch immer dabei — um helfen zu können, wenn er gebraucht wird.

Lucas Braun

LN-Online 18.01.2013 Quelle

 

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