Fa. Hauff, Bad Schwartau, 05.11.-08.11.2014

LN-Online 09.11.2014 - Bad Schwartau

Hartnäckige Glutnester im Turm: Entwarnung erst nach 24 Stunden
Die Feuerwehren Bad Schwartaus sind vermutlich auch heute noch bei dem Feuer im Holzspäne-Silo Auf der Wasch im Einsatz. Die Brandbekämpfung gestaltete sich schwierig.
06.11.2014 18:10 Uhr

Einsatz Fa. Hauff

Die Straße Auf der Wasch hat die Feuerwehr halbseitig für den Verkehr gesperrt. Vor dem Silo der Firma Hauff steht bereits das Spezialfahrzeug der Firma Linde mit Stickstoff zum Löschen.
 
© Fotos: S. Prey

Bad Schwartau. Einsatzleiter Michael Grimm schüttelt den Kopf. „Die Temperatur im Turm steigt und steigt. Jetzt sind es wieder 160 Grad. Das ist ein Fass ohne Boden“, sagt der Groß

Pariner Wehrführer gestern Vormittag. Die Feuerwehren sind da bereits 18 Stunden im Einsatz.

Eigentlich hatte Grimm den Einsatz auf dem Gelände der Firma Hauff Auf der Wasch längst abgehakt. Gemeinsam mit den Kollegen aus Rensefeld, der Berufsfeuerwehr Lübeck und dem Technischen Hilfswerk wurden die Glutnester in dem Späneturm einer Heizungsanlage der Firma Hauff schon am Mittwochabend bekämpft. Gegen 23 Uhr war der Einsatz praktisch gelaufen. Für die Berufsfeuerwehr, die von Amts wegen die Einsatzleitung übernommen hatte, war der Einsatz abgeschlossen. Die benachbarte Feuerwehr Mori aus Stockelsdorf übernahm die Brandwache in der Nacht. Die Kräfte der Bad Schwartauer Feuerwehren bekamen so etwas Zeit zum Ausruhen.

„Ich bin davon ausgegangen, dass heute nur noch eine Privatfirma kommt, um den Turm nach und nach auszuräumen“, berichtet Grimm am nächsten Morgen. Doch die Glutnester halten sich auch am Donnerstag hartnäckig. Die Temperatur im Turm steigt immer wieder an. Mit einem Gerät namens „Fognail“ kühlen die Retter das Innenleben des Späneturms mit Nebel auf rund 60 Grad runter. „Mit Wasser können wir nicht arbeiten, dann könnten die Späne sich ausbreiten und den Turm zum Platzen bringen. Wenn wir die Späne so aus dem Turm ziehen, könnte es eine Staubexplosion geben“, erklärt Grimm den außergewöhnlichen Einsatz. Er telefoniert ständig mit der Leitstelle und der Spezialfirma Linde, die sich mit Brandbekämpfung an schwierigen Orten wie Kohlegruben oder Silos auskennt. Entsprechend wird auch ein Fahrzeug mit Stickstoff nach Bad Schwartau beordert. „Damit können wir die Glutnester auf alle Fälle erfolgreich bekämpfen“, erklärt Grimm.

Um den Stickstoff in den Turm zu bekommen, ist zunächst die Werkstatt der Firma Hauff, die Möbel herstellt, gefragt. Sie fertigt eine rund sechs Meter lange Lanze aus einem Edelstahlrohr an. Doch das Problem ist damit noch lange nicht gelöst. Die Lanze lässt sich nämlich nicht so einfach in den Späneturm einbringen. Der Druck eines Staplerwagens und auch die hydraulische Pumpe vom Rüstwagen der Feuerwehr können die Lanze für den Stickstoff-Einsatz nicht platzieren. Erst mit Hilfe eines angemieteten Radladers kann das Löschen mit Stickstoff beginnen.

Da die Retter nicht genau wissen, wie der Stickstoff mit dem Material im Turm reagiert, werden das Areal und die Straße abgesperrt. Nach 30 Minuten und knapp 24 Stunden nach der ersten Alarmierung macht sich bei allen Beteiligten Erleichterung breit. „Die Temperatur im Turm sinkt kontinuierlich“, sagt Hartmut Junge, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Ostholstein. Eine Prognose, wie lange der Einsatz noch geht, mag Junge aber nicht abgeben. „Die Feuerwehr bleibt auf alle Fälle noch über die ganze Nacht“, so Junge.

Auch Firmenchef Ulrich Hauff drückt nicht aufs Tempo. „Das Wichtigste ist, dass man mit Bedacht vorgeht. Die Brandbekämpfung ist mit viel Aufwand und Ärger verbunden. Die Feuerwehren machen aber einen guten Job, und die Produktion im Betrieb geht weiter“, so Hauff, der zur Schadenshöhe noch keine Angaben machen kann.

„Das Wichtigste ist, dass man mit Bedacht vorgeht.“
Ulrich Hauff, Firmen-Chef

Sebastian Prey


 

 

Die FF Mori wurde mehrfach als Verstärkung der Nachbahrwehr Bad Schartau/Rensefeld gerufen. Gemeinsam mit weiteren Wehren aus Ostholstein (1. Feuerwehr-Bereitschaft) wurde dieser lange Einsatz abgewickelt.

 

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